Standortvernetzungen für Unternehmen: Verschiedene Lösungen, Stolpersteine und Best Practices
Standortvernetzungen für Unternehmen: Verschiedene Lösungen, Stolpersteine und Best Practices
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Ein Unternehmen mit mehreren Standorten steht heute vor einer zentralen Herausforderung: eine schnelle, sichere und zuverlässige Vernetzung. Während ein einzelner Standort oft mit einer direkten Glasfaseranbindung gut versorgt ist, wird die Situation mit zunehmender Expansion komplexer. Unterschiedliche Infrastrukturen, variierende Netzbetreiber und steigende Anforderungen an Sicherheit und Performance machen durchdachte Standortvernetzungen unerlässlich.
Besonders für IT-Fachkräfte ist dieses Thema weit mehr als eine reine Netzwerkentscheidung. Es geht um Latenzzeiten, Bandbreitenoptimierung, Redundanzkonzepte und – nicht zuletzt – Cybersicherheit. Wie verbindet man also mehrere Standorte so, dass nicht nur reibungslose Geschäftsprozesse gewährleistet sind, sondern auch Skalierbarkeit und Sicherheit langfristig mitwachsen?
Inhalt
Warum eine vernünftige Standortvernetzung entscheidend ist
Unternehmen mit mehreren Standorten stehen vor einer simplen, aber entscheidenden Frage: Wie sorgen wir dafür, dass Daten, Anwendungen und Kommunikation überall so funktionieren, als wäre alles an einem Ort?
Ein Unternehmen kann jeden Standort mit einem eigenen Internetanschluss versorgen – theoretisch wäre das der schnellste und kostengünstigste Weg. Doch sobald Systeme vernetzt zusammenarbeiten müssen, tauchen die ersten Probleme auf:
- Unzuverlässige Verbindungen: Klassische Internetverbindungen sind nicht darauf ausgelegt, geschäftskritische Daten zuverlässig zwischen Standorten zu transportieren. Bandbreitenschwankungen und Latenzprobleme können Cloud-Anwendungen, VoIP-Telefonie oder den Zugriff auf zentrale Datenbanken massiv beeinträchtigen.
- Sicherheitsrisiken: Einfache Internetverbindungen bieten keine automatische Verschlüsselung oder Zugriffskontrolle. Ohne eine durchdachte Sicherheitsstrategie sind Unternehmensdaten potenziell angreifbar – sei es durch ungeschützten Datentransfer oder durch unbefugte Zugriffe.
- Fehlende Kontrolle: Wer Standorte über das öffentliche Internet verbindet, verlässt sich auf die Infrastruktur externer Anbieter. Routing-Probleme, Engpässe und Störungen liegen außerhalb der eigenen Einflussmöglichkeit und können die Stabilität des Netzwerks unvorhersehbar machen.
Kurz gesagt: Ohne eine strategisch aufgebaute Standortvernetzung sind moderne Unternehmen nicht nur langsamer, sondern auch anfälliger für Sicherheitsrisiken und technische Probleme.
Standortvernetzungen als Wachstumsfaktor
Nicht nur bestehende Abläufe hängen von einer stabilen Vernetzung ab – auch die Zukunft eines Unternehmens wird maßgeblich davon beeinflusst, wie flexibel und skalierbar die IT-Infrastruktur ist.
Expansion ohne Hindernisse: Neue Standorte oder Remote-Teams lassen sich nur effizient integrieren, wenn die IT-Infrastruktur mitwachsen kann. Wer an starre, manuell konfigurierte Netzwerke gebunden ist, verliert Zeit und Geld bei jeder Veränderung.
Technologische Grundlagen und Möglichkeiten
Wer Unternehmensstandorte effizient miteinander verbinden will, hat heute eine Vielzahl an technischen Möglichkeiten zur Auswahl. Doch nicht jede Lösung passt zu jedem Unternehmen – Bandbreitenanforderungen, Sicherheitsaspekte und Kostenstrukturen spielen eine entscheidende Rolle bei der Wahl der richtigen Technologie. Während früher klassische MPLS-Verbindungen die Standardlösung waren, setzen moderne Unternehmen zunehmend auf flexiblere Ansätze wie SD-WAN. Doch was steckt hinter diesen Technologien, und welche Vor- und Nachteile bringen sie mit sich?
MPLS – Der traditionelle Standard für Unternehmensnetzwerke
Multi-Protocol Label Switching (MPLS) galt lange Zeit als der Goldstandard für Standortvernetzungen, insbesondere für Unternehmen mit hohen Anforderungen an Zuverlässigkeit und Sicherheit. Das liegt vor allem daran, dass MPLS eine dedizierte, vom öffentlichen Internet getrennte Netzwerkstruktur nutzt.
Vorteile von MPLS:
- Hohe Stabilität und garantierte Bandbreiten: Da MPLS-Netze von Telekommunikationsanbietern als private Netzwerke betrieben werden, gibt es keine unvorhersehbaren Engpässe durch andere Internetnutzer.
- Niedrige Latenzzeiten: Kritische Anwendungen wie VoIP oder Echtzeit-Datenverarbeitung profitieren von garantierten Latenzen.
- Hohe Sicherheit: Da MPLS nicht direkt mit dem öffentlichen Internet verbunden ist, bietet es ein gewisses Maß an Schutz vor externen Angriffen.
Nachteile von MPLS:
- Hohe Kosten: MPLS ist in der Regel teurer als alternative Lösungen, da Unternehmen feste Kapazitäten buchen und langfristige Verträge mit Providern eingehen müssen.
- Wenig Flexibilität: MPLS-Netzwerke sind schwer skalierbar – neue Standorte lassen sich nicht einfach „dazuschalten“, sondern erfordern oft aufwendige Anpassungen der bestehenden Infrastruktur.
- Kein direkter Cloud-Zugriff: MPLS wurde in einer Zeit entwickelt, in der Unternehmensanwendungen meist lokal gehostet wurden. Der direkte Zugriff auf Cloud-Dienste wie Microsoft 365 oder AWS ist oft umständlich oder erfordert zusätzliche Konfigurationen.
SD-WAN – Die moderne, flexible Alternative
Software-Defined Wide Area Networking (SD-WAN) ist eine vergleichsweise junge Technologie, die sich in den letzten Jahren als flexible und kosteneffiziente Alternative zu MPLS etabliert hat. Der Kernansatz von SD-WAN besteht darin, mehrere Verbindungsarten (z. B. Glasfaser, DSL, LTE) intelligent zu bündeln und per Software zu steuern.
Vorteile von SD-WAN:
- Kosteneffizienz: Unternehmen können günstige Breitbandverbindungen nutzen und müssen sich nicht auf teure MPLS-Verträge verlassen.
- Dynamisches Routing: SD-WAN kann in Echtzeit den optimalen Übertragungsweg für Datenpakete wählen – je nach aktueller Netzwerklast und Anwendungsanforderungen.
- Direkter Cloud-Zugang: SD-WAN ermöglicht einen sicheren, optimierten Zugriff auf Cloud-Anwendungen, ohne dass der gesamte Datenverkehr über zentrale Rechenzentren umgeleitet werden muss.
- Einfache Skalierbarkeit: Neue Standorte können schnell und flexibel in das Netzwerk integriert werden, ohne komplexe Änderungen an der bestehenden Infrastruktur.
Nachteile von SD-WAN:
- Abhängigkeit von öffentlichen Internetverbindungen: Da SD-WAN meist über das normale Internet läuft, ist es anfälliger für Schwankungen in der Bandbreite oder erhöhte Latenzzeiten, wenn keine redundanten Verbindungen vorhanden sind.
- Sicherheitsanforderungen: Während MPLS eine isolierte Netzwerklösung bietet, erfordert SD-WAN zusätzliche Sicherheitsmechanismen wie Verschlüsselung und Zero-Trust-Konzepte.
VPN – Die pragmatische Lösung für kleinere Unternehmen
Virtuelle Private Netzwerke (VPNs) sind eine kostengünstige Möglichkeit, Standorte miteinander zu verbinden. Sie nutzen das öffentliche Internet, verschlüsseln den Datenverkehr aber durch Tunnelprotokolle wie IPsec oder OpenVPN.
Vorteile von VPNs:
- Günstig und einfach einzurichten: VPNs können über vorhandene Internetanschlüsse betrieben werden und erfordern keine dedizierten Leitungen.
- Flexible Nutzung: Mitarbeiter können sich von überall sicher mit dem Unternehmensnetzwerk verbinden.
Nachteile von VPNs:
- Performance-Probleme: Da VPNs auf das öffentliche Internet angewiesen sind, können Latenz und Bandbreite stark schwanken – was insbesondere für Echtzeitanwendungen problematisch ist.
- Begrenzte Skalierbarkeit: Je größer das Unternehmen und je mehr Standorte angebunden werden, desto komplexer wird das VPN-Management.
Carrier Ethernet Lösungen wie Ethernet Line/LAN Link
Ethernet ist eine der direktesten und leistungsfähigsten Methoden zur Standortvernetzung, da es eine Verbindung auf Layer-2-Ebene ohne Routing ermöglicht. Unternehmen können Ethernet-basierte Verbindungen direkt von Providern beziehen oder eigene Glasfaserstrecken betreiben.
Vorteile von Ethernet:
- Sehr niedrige Latenzzeiten und hohe Bandbreiten.
- Maximale Sicherheit, da kein Routing über das öffentliche Internet erfolgt.
- Einfache Integration in bestehende Netzwerke, da Ethernet ein Standardprotokoll ist.
Nachteile von Ethernet:
- Hohe Kosten, besonders für lange Distanzen oder dedizierte Glasfaserverbindungen.
- Wenig flexibel, da physische Leitungen oder Provider-Dienste notwendig sind.
- Nicht immer verfügbar, da manche Standorte keine direkten Ethernet-Verbindungen erhalten können.
Glasfaser, Richtfunk & hybride Netzwerke – Die Rolle der physikalischen Infrastruktur
Neben der Wahl der Netzwerkarchitektur spielt auch die physische Anbindung der Standorte eine entscheidende Rolle. Hier gibt es verschiedene Möglichkeiten:
- Glasfaseranbindungen bieten höchste Bandbreiten und niedrige Latenzen, sind aber nicht überall verfügbar und oft mit hohen Kosten verbunden.
- Richtfunkstrecken können eine Alternative sein, wenn Glasfaser nicht verfügbar ist. Sie bieten hohe Übertragungsraten, sind aber wetterabhängig und benötigen eine direkte Sichtverbindung zwischen den Standorten.
- Hybride Netzwerke, die MPLS, SD-WAN und VPN-Technologien kombinieren, können eine maßgeschneiderte Lösung für Unternehmen sein, die eine Balance zwischen Sicherheit, Performance und Kosten suchen.
Die Wahl der richtigen Technologie hängt stark von den individuellen Anforderungen eines Unternehmens ab. Während MPLS für Unternehmen mit besonders hohen Sicherheits- und Performance-Anforderungen nach wie vor relevant ist, setzt sich SD-WAN zunehmend als Standard für moderne, flexible Standortvernetzungen durch.
Auswahl der richtigen Methode zur Standortvernetzung
Die Wahl der passenden Vernetzungstechnologie muss strategisch getroffen werden, da sie langfristige Auswirkungen auf die IT-Infrastruktur eines Unternehmens hat. Dabei sind vier Kernaspekte entscheidend: Leistung, Sicherheit, Skalierbarkeit und Kosten.
- Leistung: Unternehmen mit hohen Anforderungen an Bandbreite und niedrige Latenzen (z. B. Echtzeitanwendungen, VoIP oder Produktionssteuerung) benötigen MPLS oder Ethernet. SD-WAN bietet eine flexible Alternative mit guter Performance, während VPNs für größere Netzwerke oft an ihre Grenzen stoßen.
- Sicherheit: Wenn Unternehmensdaten nicht über das öffentliche Internet laufen sollen, bieten MPLS und Ethernet eine natürliche Abschottung. SD-WAN kann mit Verschlüsselung und Zero-Trust-Sicherheitsmodellen ebenfalls hohe Schutzmaßnahmen umsetzen.
- Skalierbarkeit: Wächst ein Unternehmen schnell oder betreibt viele Standorte, ist SD-WAN am flexibelsten. MPLS und Ethernet erfordern aufwendigere Erweiterungen, sind aber langfristig stabil. VPNs sind einfach einzurichten, aber ineffizient für komplexe Netzwerke.
- Kosten: MPLS und Ethernet sind teuer, bieten aber garantierte Qualität. SD-WAN senkt Kosten, indem es herkömmliche Internetverbindungen nutzt. VPNs sind die günstigste Lösung, aber für große Unternehmensstrukturen oft unzureichend.
Je nach Unternehmensstrategie können sich auch Hybridlösungen anbieten, die mehrere Technologien kombinieren, um eine Balance zwischen Performance, Sicherheit und Kosten zu erreichen.
In diesem Beitrag zur Auswahl der richtigen Standortvernetzung werden die verschiedenen Standortvernetzungen detaillierter gegenübergestellt.
Fazit
Die Wahl der richtigen Standortvernetzung entscheidet über Stabilität, Sicherheit und Skalierbarkeit der IT-Infrastruktur. MPLS bietet garantierte Performance, SD-WAN ist flexibel und cloudfreundlich, VPNs sind eine einfache, aber oft begrenzte Lösung, und Ethernet sorgt für maximale Leistung bei hohen Kosten.
Eine pauschale Lösung gibt es nicht – Unternehmen müssen ihre Anforderungen an Bandbreite, Sicherheit, Skalierbarkeit und Kosten sorgfältig abwägen. In vielen Fällen ist ein hybrider Ansatz sinnvoll, der verschiedene Technologien kombiniert. Entscheidend ist eine zukunftssichere Planung, die mit dem Unternehmen mitwachsen kann und langfristige Engpässe oder Sicherheitsrisiken vermeidet. Benötigen Sie Unterstützung bei der Auswahl der richtigen Lösung(en)? Nutzen Sie unsere langjährige Expertise auf diesem Gebiet und erfahren Sie in einem kostenlosen Erstgespräch, was möglich ist.