Cybersecurity

Cyberangriffe 2026: Die 8 Methoden, vor denen das BSI aktuell warnt

Es gibt einen gefährlichen Trugschluss, dem viele Geschäftsführer noch immer aufsitzen: Mein Unternehmen ist zu klein, um interessant zu sein. Das Gegenteil ist der Fall. BSI-Präsidentin Claudia Plattner hat es bei der Vorstellung des aktuellen Lageberichts auf den Punkt gebracht: Angreifer suchen sich nicht die größten oder lukrativsten Ziele, sondern die am schlechtesten geschützten. Die Frage ist also nicht, ob Sie groß genug für einen Angriff sind. Die Frage ist, ob Sie schlecht genug abgesichert sind, um ein leichtes Ziel zu werden.

Was ist ein Cyberangriff?

Ein Cyberangriff ist der gezielte digitale Übergriff auf IT-Systeme, Netzwerke oder Daten mit dem Ziel, sie zu beschädigen, zu manipulieren, lahmzulegen oder unbefugt darauf zuzugreifen. Angreifer nutzen technische Schwachstellen oder menschliche Fehler aus, um Daten zu stehlen, zu verschlüsseln oder Geschäftsprozesse zu sabotieren. Betroffen sind Unternehmen jeder Größe, Behörden und kritische Infrastrukturen gleichermaßen.

Zentrale Punkte

  • Die Bedrohungslage 2026 bleibt angespannt: Das BSI verzeichnet im Schnitt 119 neue Schwachstellen pro Tag, ein Plus von 24 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Deutschland gehört nach USA, Indien und Japan zu den meistangegriffenen Ländern weltweit.
  • Acht Angriffsmethoden dominieren: Von Ransomware über Phishing bis zu staatlich gesteuerten Attacken. Das BSI sieht in Ransomware und DDoS die Hauptbedrohung für Unternehmen und öffentliche Einrichtungen.
  • Im Visier stehen die Schwächsten: Kleine und mittlere Unternehmen, IT-Dienstleister und Kommunen werden gezielt angegriffen, weil ihnen oft Mittel und Wissen für eine solide Verteidigung fehlen.

Inhalt

Cyberangriff, Cyberkriminalität, Cyberkrieg: Wo liegt der Unterschied?

Bevor wir zu den Methoden kommen, eine wichtige Einordnung, weil die Begriffe oft durcheinandergeraten. Der Cyberangriff beschreibt die technische Tat: den konkreten digitalen Übergriff auf ein System. Cyberkriminalität ist der gesellschaftlich-juristische Oberbegriff in der Sprache von BKA und Strafrecht; er umfasst auch Online-Betrug und Identitätsdiebstahl. Geht ein Angriff von staatlichen Akteuren aus und verfolgt geopolitische Ziele, spricht man von Cyberkrieg.

In diesem Artikel geht es um das technische Wie: die Methoden, mit denen Angreifer vorgehen. Wer den juristischen und gesellschaftlichen Rahmen verstehen will, findet das in unserem Beitrag zur Cyberkriminalität in Deutschland. Die geopolitische Dimension behandeln wir im Artikel zum Cyberkrieg gegen deutsche Unternehmen.

Arten von Cyberangriffen: Die 8 Methoden, vor denen das BSI warnt

Der BSI-Lagebericht zur IT-Sicherheit in Deutschland 2025 zeichnet ein klares Bild davon, welche Angriffsmethoden Unternehmen derzeit am häufigsten und am härtesten treffen. Diese acht Methoden sollten Sie kennen, denn sie machen den Großteil der gemeldeten Vorfälle aus.

1. Ransomware: Die teuerste Bedrohung

Ransomware bleibt laut BSI die größte Bedrohung überhaupt. Angreifer verschlüsseln Ihre Daten und geben sie erst gegen Lösegeld wieder frei, oft kombiniert mit der Drohung, gestohlene Daten zu veröffentlichen. Im Berichtszeitraum wurden dem BSI 950 Ransomware-Angriffe angezeigt, wobei das Dunkelfeld nach Experteneinschätzung um ein Vielfaches größer ist. Besonders perfide: Durch das Modell Ransomware-as-a-Service sinken die Einstiegshürden, sodass auch technisch wenig versierte Kriminelle professionelle Erpressungssoftware mieten können.

Kleine und mittlere Unternehmen trifft es überproportional, weil ihnen oft schlagkräftige Abwehr und durchdachte Backup-Strategien fehlen. Wie sich ein solcher Vorfall konkret anfühlt und was im Ernstfall zu tun ist, lesen Sie im Detail in unserem Beitrag zu Ransomware-Angriffen.

2. Phishing: Der Klassiker, der immer noch funktioniert

Phishing zielt darauf ab, über gefälschte E-Mails, Webseiten oder Nachrichten an Zugangsdaten und Finanzinformationen zu gelangen. Das BSI beobachtet, dass maliziöse Webseiten, die Phishing-Attacken ausführen oder Schadcode verbreiten, stark zunehmen. Der Grund für die anhaltende Wirksamkeit ist simpel: Phishing greift nicht die Technik an, sondern den Menschen davor.

Brisant wird es durch den Einsatz künstlicher Intelligenz. KI-generierte Phishing-Mails sind heute oft fehlerfrei formuliert und kaum noch von echter Geschäftskommunikation zu unterscheiden. Die klassischen Warnzeichen wie holprige Sprache oder offensichtliche Tippfehler verschwinden zusehends.

3. Social Engineering: Wenn der Mensch zur Schwachstelle wird

Social Engineering ist die Kunst der psychologischen Manipulation. Statt technische Hürden zu überwinden, bringen Angreifer Mitarbeiter dazu, freiwillig Türen zu öffnen, etwa durch vorgetäuschte Autorität, Zeitdruck oder Vertrauen. Das BSI verzeichnet eine deutliche Zunahme KI-gestützter Betrugsversuche. Beim sogenannten CEO-Fraud ruft ein vermeintlicher Geschäftsführer in der Buchhaltung an und ordnet eine dringende Überweisung an. Mit Deepfake-Technologie lassen sich Stimme und sogar Video von Führungskräften täuschend echt nachbilden.

Weil hier der Mensch und nicht die Firewall das Einfallstor ist, helfen technische Schutzmaßnahmen allein nicht weiter. Welche psychologischen Tricks dahinterstecken und wie selbst erfahrene Führungskräfte überlistet werden, zeigen wir ausführlich im Beitrag zu Social Engineering.

4. DDoS-Angriffe: Wenn nichts mehr geht

Bei einem DDoS-Angriff (Distributed Denial of Service) überfluten Angreifer Ihre Website, Ihren Server oder eine Netzwerkressource mit so vielen Anfragen, bis das System unter der Last zusammenbricht und für legitime Nutzer nicht mehr erreichbar ist. Das BSI sieht in DDoS-Angriffen neben Ransomware die Hauptbedrohung für Unternehmen und öffentliche Einrichtungen.

Wie schnell ein solcher Angriff Wirkung zeigt, erlebte Deutschland im Februar 2025: Zeitgleich mit Bundestagswahl und Münchner Sicherheitskonferenz schnellte die Zahl der bekannt gewordenen Angriffe auf 52 Prozent über dem langjährigen Durchschnitt. Prorussische Hacktivisten nahmen wiederholt staatliche Portale ins Visier. Wie Kriminelle eine Website binnen Minuten lahmlegen und wie Sie sich wehren, erklären wir im Beitrag zum DDoS-Angriff.

5. Ausnutzung von Schwachstellen: Das offene Fenster

Eine der unterschätztesten Bedrohungen ist die Ausnutzung ungepatchter Sicherheitslücken. Das BSI registrierte im Berichtszeitraum durchschnittlich 119 neue Schwachstellen pro Tag, ein Anstieg um 24 Prozent. Die tatsächliche Ausnutzung dieser Lücken (Exploitation) nahm sogar um 38 Prozent zu. Anschauliches Beispiel: Rund 30.000 verwundbare Microsoft-Exchange-Server standen weiterhin in Krankenhäusern, Schulen und anderen kritischen Einrichtungen.

Das Tückische daran: Für viele dieser Lücken existieren längst Sicherheitsupdates. Angreifer nutzen schlicht aus, dass Unternehmen zu langsam oder gar nicht patchen. Genau hier setzen die grundlegenden Maßnahmen zum Schutz vor Cyberangriffen an.

6. Schadsoftware und Botnetze: Die unsichtbare Armee

Botnetze sind Netzwerke aus heimlich gekaperten Geräten, die Angreifer zentral steuern, etwa für DDoS-Angriffe oder den Versand von Schadsoftware. Das BSI hebt das IoT-Botnetz „Badbox“ besonders hervor, das zeitweise bis zu 58 Prozent der infizierten Systeme in Deutschland ausmachte. Besonders gefährdet sind schlecht gesicherte vernetzte Geräte, vom smarten Drucker bis zur Überwachungskamera, die oft mit Standardpasswörtern und veralteter Firmware ans Netz gehen.

7. Advanced Persistent Threats: Die staatlich gesteuerten Angriffe

Hinter dem Kürzel APT (Advanced Persistent Threat) verbergen sich hochprofessionelle, oft staatlich gesteuerte Angreifergruppen, die langfristig und gezielt vorgehen. Laut BSI richten sich rund 25 Prozent der weltweit aktiven APT-Gruppen auch gegen Deutschland, das damit auf Platz vier der meistbetroffenen Länder liegt. Ihre bevorzugten Ziele: staatliche Behörden, Forschungseinrichtungen, Energieversorger und die kritische Infrastruktur. Das Motiv ist meist Spionage oder strategische Sabotage.

Was passiert, wenn solche Angriffe lebenswichtige Versorgungssysteme treffen, beleuchten wir im Beitrag zur kritischen Infrastruktur.

8. Supply-Chain-Angriffe: Der Umweg über den Dienstleister

Warum die gut gesicherte Festung direkt angreifen, wenn der schlecht gesicherte Lieferant den Schlüssel hat? Genau dieser Logik folgen Supply-Chain-Angriffe. Das BSI nennt IT-Dienstleister ausdrücklich als eine der drei Hauptzielgruppen, und das aus gutem Grund: Ein Dienstleister hat in der Regel Zugang zu den Systemen all seiner Kunden. Ein einziger erfolgreicher Angriff kann sich so kaskadenartig auf Dutzende oder Hunderte Unternehmen ausweiten. Für Sie als Geschäftsführer heißt das: Ihre IT-Sicherheit endet nicht an der eigenen Firewall, sondern schließt jeden Partner mit ein, der Zugriff auf Ihre Systeme hat.

Cyberangriffe auf Unternehmen: Wer im Fadenkreuz steht

Wenn Sie glauben, Hackerangriffe auf Firmen träfen vor allem Großkonzerne, irren Sie sich. Der BSI-Lagebericht identifiziert drei Hauptzielgruppen: kleine und mittlere Unternehmen, IT-Dienstleister und Kommunen. Gerade der Mittelstand steht im Fokus, weil ihm häufig die Mittel und das Fachwissen fehlen, um sich wirksam zu schützen.

Das Ausmaß des wirtschaftlichen Schadens ist erheblich. Der Digitalverband Bitkom beziffert in seiner Studie Wirtschaftsschutz 2025 den jährlichen Gesamtschaden durch Datendiebstahl, Industriespionage und Sabotage auf 289,2 Milliarden Euro, von denen rund 202 Milliarden Euro direkt auf Cyberkriminalität entfallen. 87 Prozent der befragten Unternehmen berichteten, in den vergangenen zwölf Monaten von Datendiebstahl, Spionage oder Sabotage betroffen gewesen zu sein.

Das Muster dahinter ist immer dasselbe: Angreifer suchen gezielt nach den verwundbarsten Angriffsflächen. Wer seine Systeme schlecht absichert, wird mit höherer Wahrscheinlichkeit zum Opfer, ganz unabhängig von Größe oder Branche.

Wie Sie sich schützen: Die Prioritäten des BSI

Die gute Nachricht: Die meisten erfolgreichen Angriffe nutzen keine hochkomplexen Methoden, sondern einfache, kostengünstige Wege über schlecht geschützte Angriffsflächen. Das BSI bezeichnet das Angriffsflächenmanagement deshalb als den entscheidenden Hebel. Konkret empfiehlt die Behörde Unternehmen unter anderem regelmäßige Updates, ein durchdachtes Backup- und Passwort-Management, die Sensibilisierung der Mitarbeiter und einen Notfallplan für den Ernstfall.

Schon Basismaßnahmen senken das Risiko deutlich: zeitnahes Einspielen von Sicherheitsupdates, ein restriktives Zugangsmanagement und die Multi-Faktor-Authentifizierung. Wer seine Verteidigung systematisch aufstellen will, findet die zentralen technischen und organisatorischen Maßnahmen gebündelt in unserem Leitfaden zum Schutz vor Cyberangriffen.

Einen vollständigen Überblick über die aktuelle Bedrohungslage und alle relevanten Angriffsformen bietet unsere Themenseite zu den Cyberbedrohungen für Unternehmen.

Kennen Sie Ihre eigene Angriffsfläche?

Die acht Methoden zeigen, wie breit das Bedrohungsspektrum 2026 ist. Entscheidend ist jetzt eine ehrliche Frage: Wie gut ist Ihr Unternehmen gegen genau diese Angriffe aufgestellt? Die meisten Geschäftsführer kennen die Antwort nicht, bis es zu spät ist.

Lassen Sie das nicht zu. In einem unverbindlichen Erstgespräch analysieren wir gemeinsam Ihre individuelle Bedrohungslage und zeigen Ihnen, wo Ihre größten Angriffsflächen liegen.

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Häufige Fragen zu Cyberangriffen

Was ist der häufigste Cyberangriff?

Phishing zählt zu den häufigsten Einstiegsmethoden, weil es einfach umzusetzen ist und auf menschliche Fehler statt auf technische Lücken setzt. Bei den schadensträchtigsten Angriffen führt laut BSI die Ransomware, die ganze Unternehmen lahmlegen kann.

Eine exakte Gesamtzahl gibt es nicht, da viele Angriffe unentdeckt oder ungemeldet bleiben. Das BSI verzeichnete im Berichtszeitraum 2024/2025 allein 950 angezeigte Ransomware-Angriffe und registriert durchschnittlich 119 neue Schwachstellen pro Tag. Das Dunkelfeld gilt als deutlich größer.

Laut BSI stehen kleine und mittlere Unternehmen, IT-Dienstleister und Kommunen besonders im Fokus. Angreifer wählen gezielt schlecht geschützte Ziele, unabhängig von deren Größe.

Ein Cyberangriff bezeichnet die technische Tat, also den digitalen Übergriff auf ein System. Cyberkriminalität ist der juristische Oberbegriff für die dahinterstehenden Straftaten und umfasst auch Delikte wie Online-Betrug und Identitätsdiebstahl.