Glasfaser
Standortvernetzungen für Unternehmen im Vergleich

SD-WAN oder MPLS: Welche Standortvernetzung passt zu Ihrem Unternehmen?

Standortvernetzungen für Unternehmen im Vergleich

Der MPLS-Vertrag läuft aus, der Carrier bietet die Verlängerung an, und gleichzeitig wandern immer mehr Anwendungen in die Cloud. Die Frage SD-WAN oder MPLS entscheidet jetzt über Ihre Netzwerkkosten, Ihre Cloud-Performance und Ihre Flexibilität der nächsten fünf Jahre.

Die kurze Antwort: SD-WAN ist für die meisten Unternehmen mit mehreren Standorten und wachsender Cloud-Nutzung heute die wirtschaftlichere und flexiblere Wahl. MPLS bleibt dort sinnvoll, wo vertraglich garantierte Latenz und Servicequalität für geschäftskritische Echtzeitanwendungen unverzichtbar sind. Viele Unternehmen kombinieren deshalb beides: SD-WAN als Standard, MPLS gezielt für das Kritischste.

Inhalt

SD-WAN und MPLS: Was hinter den beiden Technologien steckt

Wer SD-WAN oder MPLS vergleicht, vergleicht zwei grundverschiedene Architekturen. MPLS (Multiprotocol Label Switching) ist eine seit über zwei Jahrzehnten etablierte Carrier-Technologie: Datenpakete werden anhand von Labels auf festen Pfaden durch das private Netz eines Anbieters geleitet. Das Ergebnis sind planbare Latenzen, garantierte Servicequalität (QoS) und vertragliche SLAs, allerdings zu hohen Leitungspreisen und mit Bindung an einen einzigen Carrier.

SD-WAN (Software-Defined Wide Area Network) ist ein softwaregesteuertes Overlay, das mehrere beliebige Anschlüsse bündelt, etwa Glasfaser, Kabel, DSL oder 5G. Eine zentrale Steuerung misst laufend die Qualität aller Verbindungen und leitet jede Anwendung über den jeweils besten Pfad. Fällt eine Leitung aus, übernimmt die nächste automatisch.

Der Markt hat sich klar positioniert: Laut Gartner wächst der SD-WAN-Markt bis 2027 um durchschnittlich 16,8 Prozent pro Jahr, während klassische MPLS-Anbindungen zunehmend durch internetbasierte Anschlüsse abgelöst werden.

Leistung: Wer liefert mehr Bandbreite und geringere Latenz?

MPLS liefert konstante Latenz und garantierte Paketzustellung, die Bandbreite ist jedoch teuer und begrenzt. SD-WAN erreicht über günstige Anschlüsse deutlich höhere Bandbreiten, die Latenz hängt allerdings von der Qualität der zugrunde liegenden Leitungen ab.

Genau hier liegt der entscheidende Punkt: SD-WAN ist immer nur so gut wie sein Underlay. Wer SD-WAN auf instabilen Leitungen betreibt, verlagert das Problem nur. Mit symmetrischer Business-Glasfaser als Basis erreichen SD-WAN-Verbindungen dagegen Latenzen und Verfügbarkeiten, die für VoIP, Videokonferenzen und Cloud-Anwendungen vollkommen ausreichen.

Standortvernetzung mit hoher Bandbreite

Leistungsvergleich im Überblick:

KriteriumMPLSSD-WAN
BandbreiteBegrenzt, hoher Preis je MbitHoch, abhängig vom Anschluss
LatenzVertraglich garantiert, konstantAbhängig vom Underlay, mit Glasfaser sehr gering
ServicequalitätQoS per SLA zugesichertAnwendungsbasiertes Traffic-Steering
AusfallsicherheitEine Leitung, ein AnbieterAutomatisches Failover über mehrere Leitungen

Sicherheit: Privates Netz oder verschlüsseltes Overlay?

MPLS gilt als sicher, weil der Datenverkehr das private Carrier-Netz nicht verlässt. Verschlüsselt sind die Daten dabei standardmäßig jedoch nicht: Wer Ende-zu-Ende-Verschlüsselung braucht, muss sie bei MPLS zusätzlich implementieren.

SD-WAN verschlüsselt den gesamten Datenverkehr von Haus aus, üblicherweise per IPsec, und transportiert ihn über das öffentliche Internet. Moderne Lösungen integrieren zudem Firewall-Funktionen und wachsen mit Cloud-Sicherheitsdiensten zusammen: Gartner erwartet, dass 2026 rund 60 Prozent aller neuen SD-WAN-Käufe Teil einer integrierten SASE-Lösung sind, 2022 waren es erst 15 Prozent. Wie konsequente Absicherung ohne blindes Vertrauen ins eigene Netz funktioniert, lesen Sie in unserem Beitrag zu Zero Trust.

Sichere Standortvernetzung

Skalierbarkeit: Neue Standorte in Tagen oder in Monaten?

Bei MPLS bedeutet jeder neue Standort eine Bestellung beim Carrier, und die Bereitstellung dedizierter Leitungen dauert je nach Standort mehrere Wochen bis Monate. Internationale Standorte verschärfen das Problem, weil das MPLS-Netz in der Regel aus einer Hand kommen muss.

SD-WAN ist carrier-neutral: Am neuen Standort genügt ein beliebiger Internetanschluss, die Konfiguration wird zentral ausgerollt. Für wachsende Unternehmen, Filialisten und alle, die Standorte flexibel eröffnen oder verlagern, ist das der vielleicht größte Einzelvorteil.

Skalierbarkeit im Vergleich:

KriteriumMPLSSD-WAN
Neuer StandortLeitungsbestellung und Bereitstellung nötigBeliebiger Internetanschluss genügt
AnbieterabhängigkeitHoch, ein Carrier für allesGering, Underlay frei wählbar
Cloud-AnbindungUmweg über das RechenzentrumDirekter Breakout am Standort
Internationale StandorteKomplex und teuerUnkompliziert über lokale Provider

Kosten: Warum SD-WAN in den meisten Szenarien günstiger ist

Die Kostenstruktur unterscheidet sich grundlegend. Bei MPLS zahlen Sie für dedizierte Carrier-Leitungen mit garantierten Eigenschaften, und dieser Aufpreis je Megabit ist erheblich. Bei SD-WAN verlagern sich die Kosten: Die Übertragung läuft über vergleichsweise günstige Internetanschlüsse, dafür investieren Sie in Appliances beziehungsweise Lizenzen und in den Betrieb der Lösung.

Unterm Strich sinken die laufenden Leitungskosten bei einem Umstieg in den meisten Szenarien deutlich, vor allem bei hohem Bandbreitenbedarf. Pauschale Sparquoten aus Anbieterwerbung sollten Sie allerdings kritisch hinterfragen, die tatsächliche Ersparnis hängt von Standorten, Bandbreiten und Vertragslage ab. Was ein leistungsfähiger Anschluss als Basis kostet, zeigt unser Überblick zu den Kosten eines Glasfaseranschlusses für Unternehmen.

Wie viel kostet eine Standortvernetzung für Unternehmen?

Kostenvergleich im Überblick:

KostenblockMPLSSD-WAN
LeitungskostenHoch, Premium je MbitNiedrig, Standard-Internetanschlüsse
Hardware und LizenzenMeist im Carrier-Service enthaltenAppliances oder Lizenzen erforderlich
BetriebDurch den Carrier gemanagtEigenbetrieb oder Managed Service
VertragsbindungLang, ein AnbieterFlexibel, mehrere Anbieter möglich

Sie möchten zuerst die Grundlagen sortieren? Einen Überblick über alle Technologien von MPLS über VPN bis Carrier Ethernet gibt unser Beitrag zu Standortvernetzungen für Unternehmen. Und weil jedes SD-WAN nur so stark ist wie seine Leitungen, lohnt ein Blick auf Glasfaser für Unternehmen als Underlay.

Fazit: Für wen eignet sich SD-WAN, für wen MPLS?

SD-WAN ist die richtige Wahl für Unternehmen mit mehreren Standorten, wachsender Cloud-Nutzung und Kostendruck: mehr Bandbreite, schnellere Skalierung, geringere Leitungskosten. MPLS behält seine Berechtigung dort, wo vertraglich garantierte Latenz und Paketzustellung unverzichtbar sind, etwa bei Echtzeitsteuerungen in der Produktion oder strengen regulatorischen Vorgaben. In der Praxis entscheiden sich viele Unternehmen für ein hybrides Modell: SD-WAN als Standard für den Großteil des Verkehrs, MPLS gezielt für kritische Anwendungen.

Die Entscheidung SD-WAN oder MPLS ist am Ende keine reine Technikfrage, sondern hängt von Verfügbarkeit, Bandbreitenbedarf und Bestandsverträgen an Ihren Standorten ab.

Ist MPLS veraltet?

Nein. MPLS ist eine ausgereifte Technologie mit garantierter Servicequalität und bleibt für Echtzeitanwendungen mit harten Latenzanforderungen relevant. Der Markttrend geht laut Gartner jedoch klar zu internetbasierten Anbindungen mit SD-WAN, weil sie flexibler und je Megabit deutlich günstiger sind.

Kann SD-WAN MPLS vollständig ersetzen?

In den meisten Fällen ja, vorausgesetzt, das Underlay stimmt. Mit hochwertigen Glasfaser-Anschlüssen und redundanten Leitungen erreicht SD-WAN eine Verfügbarkeit, die für nahezu alle Geschäftsanwendungen ausreicht. Nur Spezialfälle mit vertraglich garantierten Latenzen sprechen weiterhin für MPLS oder ein Hybridmodell.

Was ist günstiger, SD-WAN oder MPLS?

Bei vergleichbarer Bandbreite ist SD-WAN in der Regel günstiger, weil es Standard-Internetanschlüsse statt teurer dedizierter Carrier-Leitungen nutzt. Dafür fallen Kosten für Appliances, Lizenzen und Betrieb an. Die tatsächliche Ersparnis hängt von Standorten, Bandbreitenbedarf und Vertragslage ab.

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